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So gut hat Albert Einstein Geige gespielt

Albert Einstein schrieb mit E = mc² einst die berühmteste Gleichung der Menschheitsgeschichte nieder. Seine Relativitätstheorie hat die Physik revolutioniert und ihn überall auf der Welt berühmt gemacht. Das Genie hatte auch eine tiefe Verbundenheit zur Musik, speziell zu seiner Violine Lina, die ihn überall hin begleitete. Wie der einst schlechte Schüler zum Geigenunterricht kam, wieso er diesen zunächst nicht mochte und wie gut er gespielt hat, verraten wir in diesem Beitrag.

Als Kind wollte Einstein nicht Violine spielen

Seine musikalische Reise begann im Alter von sechs Jahren in München, als seine Mutter Pauline Geigenunterricht für ihren Sohn Albert organisierte. Sie selbst war ebenfalls Musikerin und spielte leidenschaftlich gerne Klavier. Zunächst konnte der junge Einstein sich nicht mit der Violine identifizieren und lernte das Instrument mit wenig Begeisterung. Sogar ein Stuhl soll einmal in Richtung seines Hauslehrers geflogen sein. Ändern sollte sich dies, als er im Alter von 13 Jahren mit Mozarts Violinsonaten in Berührung kam und sich in die Musik verliebt hatte. Er verehrte Mozart für den Rest seines Lebens – und auch Bach gehörte zu seinen favorisierten Komponisten. Vielleicht schätzte er den stringenten Aufbau dieser Werke, die gut zu seiner Arbeit als Wissenschaftler passten.
Bei seiner Geige Lina soll es sich nicht durchgehend um das selbe Instrument gehandelt haben. Vielmehr trug jede seiner Geigen diesen Namen, zu dem er offensichtlich einen tiefen emotionalen Bezug hatte. Er soll die Kurzform von Violine gewesen sein. Einstein soll einmal gesagt haben, dass er Musiker geworden wäre, wenn aus ihm kein Physiker geworden wäre. Auch Klavier spielte der Nobelpreisträger und wenn er an seinen Theorien gearbeitet hat, soll er in regelmäßigen Abständen darauf gespielt haben. Musik half ihm dabei seine Gedanken zu sortieren und seine Arbeit mit neuen Ideen und Einfällen fortsetzen zu können. Auch außer Haus wollte er nicht auf Musik verzichten. Deshalb nahm er auf Reisen seinen Geigenkoffer mit seiner Geige Lina stets mit, was man dem Case auch ansah – es hatte deutliche Gebrauchsspuren.

Gemeinsames Musizieren mit Freunden

Verheiratet war der Physiker mit seiner Cousine Elsa. Von 1935 bis zu seinem Tod 1955 lebte er in einem kleinen Haus in Princeton, New Jersey. Bereits seit 1933 hielt sich der Pazifist und Jude in den USA auf. Dort veranstaltete er jeden Mittwoch Kammermusikabende in seinem Haus. Er musizierte sehr gern mit anderen zusammen und an Halloween und Weihnachten ging Einstein mit seiner Violine nach draußen um den Kindern und Sternsingern etwas vorzuspielen. Seine Geige spielte er fast bis zu seinem Lebensende. Das Alter und die schwindenden Fingerfertigkeiten zwangen ihn letztlich dazu, mit dem Spielen aufzuhören – der Musik blieb er aber treu.
Albert Einstein vor einer Tafel in Wien. Hinter ihm steht sein Geigenkoffer mit Violine Lina
Albert Einstein in Wien 1921 – Bild: F. Schmutzer

Einsteins Geige für eine halbe Million Dollar versteigert

Im New Yorker Auktionshaus Bonhams wurde im März 2018 eine Geige von Albert Einstein für einen Rekordpreis von 516.500 Dollar versteigert. Bei dem Instrument handelt es sich um eine Violine die 1933 vom amerikanischen Instrumentenbauer Oscar H. Steger im Bundesstaat Pennsylvania gefertigt wurde. Sie war ein Geschenk für den Physiker, dem sie 1933 nach seiner Ankunft in Princeton übergeben wurde. Das Streichinstrument ist mit einer Widmung versehen. „Made for the Worlds Greatest Scientist Professor Albert Einstein By Oscar H. Steger, Feb 1933 / Harrisburg, PA.“ Als der Nobelpreisträger an der Princeton Universität lehrte, schenkte er das Instrument dem Sohn von Sylas Hibbs, der als Hausmeister an der Universität arbeitete. Die Violine war seitdem im Besitz der Familie Hibbs. Auch Einsteins Geburtsstadt Ulm wo er 1879 zur Welt kam war mit dem Gemeinderat bei der Auktion vertreten. Kulturabteilung und Spender stellten eine Summe von 250.000 Euro zur Verfügung. Zu wenig, wie sich herausstellte. Der Wert der Geige wurde zuvor auf 100.000 bis 150.000 Dollar geschätzt. Ersteigert wurde das wertvolle Instrument von einem Mitglied des Harrisburg Symphony Orchestras zu einem Preis, der etwa viermal so hoch war wie der Schätzwert. Hinzu kam noch eine Auktionsgebühr die das Auktionshaus Bonhams erhebt. Immerhin: Zur Auktion gehörte neben der Violine auch ein Geigenkoffer sowie eine Postkarte, die Einstein beim Geige spielen zeigt.

Auktion der Geige mit der Albert Einstein unterrichtet wurde

Eine weitere Geige sorgte bei einer Auktion im Jahr 2022 für Aufsehen. Eine Violine aus der goldenen Periode Stradivaris, gefertigt 1714, wurde beim Auktionshaus Tarisio, ebenfalls in Ney York, versteigert. Das Instrument mit dem Namen “da Vinci” wurde für die gigantische Summe von 15,3 Millionen Dollar versteigert. Damit gehört es neben der Vieuxtemps Guarneri (16 Millionen) und der Lady Blunt Stradivari (15,9 Millionen) zu den teuersten Geigen der Welt. Wer die Geige ersteigert hat, teilte das Auktionshaus nicht mit. Zuletzt war das Streichinstrument im Besitz eines japanischen Sammlers. Zuvor gehörte es jedoch dem Geigenvirtuosen Toscha Seidel (1899–1962) der Albert Einstein mit dieser Violine Unterricht gab. Zusammen spielten beide auf einem Benefizkonzert in New York, wo Seidel das Publikum mit dem fabelhaften Klang seiner Stradivari verzauberte. Auch im Privathaus Einsteins spielten beide Musiker mit dieser Violine zusammen Quartette. Mit dem Instrument des berühmten italienischen Geigenbauers Stradivari spielte der berühmte Geiger unter anderem auch die Filmmusik des Film-Klassikers “Der Zauberer von Oz” ein. Violinen für die so viel Geld geboten wird sind zum einen wegen des Geigenbauers der sie gefertigt hat so kostspielig, zum anderen wegen ihrer Geschichte und dem Zustand, in dem sie sich befinden.

Benefizkonzert in New York

Am 17. Januar 1934 gab der Physiker zusammen mit der Pianistin Harriet Cohen auf einer Wohltätigkeitsgala in New York ein Benefizkonzert zugunsten verfolgter Juden. Etwa 300 ausgewählte Gäste durften Albert Einstein beim Musizieren zuhören. Zusammen mit dem russischen Geigenvirtuosen Toscha Seidel spielte er das Doppelviolinkonzert von Bach. Aber auch Werke anderer Komponisten zogen das Publikum in ihren Bann. Unter anderem Eleonore Roosevelt, die ehemalige First Lady der Vereinigten Staaten, durfte bei dem einmaligen Ereignis dabei sein. Die Spenden kamen Wissenschaftskollegen in Berlin zugute, die aufgrund ihres jüdischen Hintergrundes verfolgt wurden. Mithilfe der finanziellen Unterstützung konnten sie das Land verlassen.

Wie gut hat Albert Einstein Geige gespielt?

Wie gut Albert Einstein Geige gespielt hat ist umstritten. Es gibt keine Tonaufnahmen die Aufschluss über seine Fertigkeit geben könnten. Einige Quellen schreiben ihm zu, ein eher mittelmäßiger Musiker gewesen zu sein, der dafür mit umso mehr Herzblut spielte. Auf einem Foto, das ihn mit seiner Geige zeigt, wird seine Haltung kritisiert, auch wie er den Bogen hält und vermutlich geführt hat. Es finden sich aber auch Hinweise, dass er ein guter Violinist war.

Du willst Geige spielen wie Albert Einstein?